
Im Umbruch: Berlins Presse nach 1945
BerlingeschichteNach 1945 war das alte Berliner Zeitungsviertel rund um die Kochstraße zwischen Mitte und Kreuzberg weitgehend von Bomben zerstört. Die Druckmaschinen lagen unter Schutt und Steinen. Einige wurden Anfang Mai 1945 freigelegt und notdürftig repariert.
Zeitungspapier hatte die russische Armee beschlagnahmt. Mit der von der Sowjetarmee herausgegebenen „Täglichen Rundschau“ erschien am 15. Mai 1945 in Berlin die erste Tageszeitung. Die Redakteure im großen Redaktionsgebäude am Friedrichshain trugen meist Uniformen, auch die aus Moskau heimgekehrten Deutschen. Hier ein Blick auf Zeitungstitel aus der Nachkriegszeit.




Am 2. August kam die erste Ausgabe des „Berliner“ heraus, einer Zeitung der britischen Besatzungsmacht, die nun dienstags, donnerstags und sonnabends erschien. Im Tempelhofer Ullsteinhaus wurde am 8. August 1945 die erste Ausgabe der „Allgemeinen Zeitung“ gedruckt, verantwortet von der amerikanischen Besatzungsmacht. Sie wurde wenige Wochen später zugunsten einer unabhängigen Zeitung eingestellt: Am 27. September 1945 erschien, gegründet von Erik Reger, Walther Karsch, Heinrich von Schweinichen und Edwin Redslob unter amerikanischer Lizenz erstmals der „Tagesspiegel“. Im französischen Sektor kam ab 12. November 1945 der „Kurier“ heraus. Die Berliner Presse geriet schnell in den Sog des Ost-West-Konflikts. Während in den Zeitungen der sowjetischen Besatzungszone und auch im SPD-eigenen „Volk“ der Druck auf ein Zusammengehen von SPD und KPD wuchs, erhielten im unabhängigen „Tagesspiegel“ Sozialdemokraten Raum, die gegen eine Zwangsvereinigung und für eine Urabstimmung sind. Es war die erste große politische Auseinandersetzung der Nachkriegszeit.






Die Berliner Zeitung wurde 1945 als Zeitung des Berliner Magistrats gegründet. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel gehört sie jetzt einem Unternehmerehepaar. Foto: Ulrich Horb
Mit der Zunahme kostenfreier digitaler Angebote, mit neuen Lesegewohnheiten, einer veränderten Mediennutzung und dem teilweisen Wegfall des Anzeigengeschäfts gerieten die Berliner Zeitungen in eine weitere Krise. Inzwischen ist der Springer-Verlag nur noch mit den Boulevardblättern BZ und Bild in der Stadt vertreten, die „Welt“ hat ihren Berliner Lokalteil aufgegeben, die „Berliner Morgenpost“ gehört zur Funke-Mediengruppe und die „Berliner Zeitung“ wurde 2019 an ein Verlegerehepaar verkauft.
Fotogalerie Berliner Zeitungen
Mehr zur Berliner Mediengeschichte in Berlin auf www.geschichten-aus.berlin
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