Berlin ohne Humor?

Karikaturen aus dem Bestand der Cartoonlobby. Foto: Ulrich Horb
Karikaturen aus dem Bestand der Cartoonlobby. Foto: Ulrich Horb

Wahre Schätze hat die „Cartoonlobby“, der bundesweite Verband der Zeichnerinnen und Zeichner, der Karikaturisten und Cartoonisten, in ihrem Archiv.  Rund 40 000 Originalzeichnungen gehören dazu, mehr als 10.000 Bücher und Zeitschriften, die sich dem Humor widmen. Prominente Künstlerinnen und Künstler haben ihr ihr Lebenswerk anvertraut. In Luckau hatte die Cartoonlobby mit der von ihr gegründeten Stiftung „Sammlung_Museum für Humor und Satire“ einen kleinen Ausstellungsraum, der auch für aktuelle Ausstellungen einzelner Zeichnerinnen und Zeichner oder für Themenausstellungen genutzt wurde. Nun droht das Aus.

Cartoonlobby
Werbung für ein Cartoon-Museum im Berliner Abgeordnetenhaus: Cartoonlobby-Geschäftsführer Andreas Nicolai, die ehemalige SPD-Kulturpolitikerin Brigitte Lange, Cartoonlobby-Vorsitzender Philipp Heinisch
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Schon seit mehreren Jahren war die Cartoonlobby auf der Suche nach Räumlichkeiten im Raum Berlin, um dieses zeichnerische Erbe dauerhaft zu präsentieren. Denn das vorläufige Arbeitsdomizil, das „Cartoonmuseum Brandenburg“ in Luckau, stand nur für zehn Jahre zur Verfügung, der Mietvertrag konnte nicht verlängert werden. Im November 2020 endet nun die Arbeit in Luckau, neue Räumlichkeiten konnten nicht gefunden werden. Damit droht, eine der umfassendsten Sammlungen von Karikaturen und Cartoons in Lagerräumen zu verschwinden oder aus der Region abzuwandern.

Mit einer Petition hat sich die Cartoonlobby im September 2020 an die Öffentlichkeit gewandt. Die Petition fordert von der Kulturpolitik in Bund und Ländern darauf hinzuwirken, dass die gemeinnützige „Stiftung Museen für Humor und Satire“ der Cartoonlobby e.V. mit Mitteln ausgestattet wird, um ihre wichtige Arbeit zur Förderung der Kunstgenre Karikatur und Cartoon fortsetzen zu können. Es müssten die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, so „dass die Stiftung in die Lage versetzt wird, einen neuen Sitz in der Hauptstadtregion mit ihrer Sammlung zu beziehen“.

In der Begründung der Petition heißt es u.a.: „Populäre Kunstrichtungen wie Karikatur und Cartoon, als visuelle Formen von Satire und Humor, tragen in keinem geringen Maße zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen und zur Werteformung bei. Sie liefern Denkanstöße und hinterfragen Missstände – fördern dabei Demokratieverständnis und sind Bestandteil kultureller Bildung. Karikatur und Cartoon lassen die Betrachter auf anschauliche Weise teilhaben an den aktuellen Diskussionen in Politik und Gesellschaft – sind zugleich Chronik der Zeitgeschichte und des Zeitgeistes. Cartoonmuseen verdeutlichen über die Geschichte von Karikatur und die Biografien der Protagonisten auch die Rolle von Karikatur und Satire für die Meinungsbildung. Diese Museen thematisieren ebenso den Missbrauch von Karikatur und Satire für ideologische und religiöse Zwecke, wie deren Beitrag zur Verteidigung der Presse- und Meinungsfreiheit. Aber dennoch finden Karikatur und Cartoon oft nicht die erforderliche Anerkennung in Gesellschaft und Kulturpolitik. Eine Problematik, die ganz besonders Deutschland betrifft.“

Zur Petition: https://www.openpetition.de/petition/online/schluss-mit-lustig-cartoonmuseum-fuer-die-hauptstadtregion-erhalten

Zur Seite der Cartoonlobby: https://cartoon-journal.de/index.php

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